Creative VIP:     Walter Appel

V O R S T E L L U N G :

Ein wahrer Volksschriftsteller, dessen Schaffenskraft seit 30 Jahren ungebrochen anhält. In vielen Genres ist er Zuhause, flexibel in seinen Arbeiten und darüber hinaus bei seinen Fans beliebt.
Unter Dutzenden von Pseudonymen konnte und kann man seine Werke goutieren. Walter Appel alias Earl Warren und, und, und, ist eine Ausnahmeerscheinung, was seine Kontinuität anbelangt.
Für Überraschungen ist er immer gut, sein Schreibstil markant - alles in allem ein Schriftsteller mit Sinn für Qualität.




INTERVIEW (Fragen von R.M.) :

Wie findest Du die Entwicklung des deutschen Fandoms im Hinblick auf diverse Internet-Aktivitäten - tangiert Dich das überhaupt?

   Das Internet hat vieles transparenter gemacht. Der Kontakt zwischen AutorenInnen und LesernInnen ist direkter geworden. Auch persönlicher und einfacher. Es gilt jedoch zu differenzieren: Ein Autor spricht hauptsächlich durch sein Werk, also seine Stories oder was immer er produziert. Ob er nun einbeinig ist und humpelt oder ein Supermann und Top-Sportler bedeutet nicht soviel, wichtig ist, was und wie er schreibt. Ich bin der Meinung, dass Ehrlichkeit und Authenzität gegenüber dem Leser sich auszahlt.


Wie läuft Dein Internet-Projekt wabook; hast Du was Neues geplant?

   Wabook ist kein Internet-Produkt, sondern ein Verlag. Viel tut sich da nicht. Vor ein paar Jahren habe ich den Wabook-Verlag per Gewerbeeintragung gegründet, das hat wenn ich mich recht erinnere so um die vierzig DM damals noch gekostet.
Dann habe ich ein paar Bücher dort herausgebracht - vier Stück, um genau zu sein. Dabei merkte ich, dass Verleger zu sein nicht mein Ding ist. Es hängt eine Menge Arbeit daran, und für mich ist es besser und einfacher, meine Werke bei anderen Verlagen herausbringen zu lassen. Da mir der Wabook jedoch kein Brot frisst, also nichts kostet, lasse ich ihn so stehen. Vielleicht kann man es nochmal gebrauchen.



Vor ein paar Jahren hast Du in einem Interview erzählt, eventuell als Drehbuchautor zu arbeiten - ist daraus was geworden?

   Das hatte ich selbst schon fast vergessen. Das war eine Idee, die ich wieder abgelegt habe. In die Sparte komme ich nicht mehr rein. Der Zug ist abgefahren.


Harte Webseiten wie ogrish.com oder rotten.com, sorgen für eine neue Dimension Gewalt und Terror wider zugeben, dagegen wirkt manch verbotener Horrorfilm wie ein Kinderfilm! Wie findest Du diese nicht mehr aufzuhaltende Entwicklung - ist es richtig, alles bis aufs kleinste Detail zu erleben, sogar abscheuliche Morde?

   Nur mit Ekel und Sadismen kann man keine Umsätze erzielen. Ein größeres Potential an Interessenten ist hier nicht gegeben. Rotten.com kenne ich flüchtig, habe vor längerer Zeit, als mir einer den Link gab, mal auf diese Website geschaut. Ich erinnere mich nur undeutlich daran - einen bleibenden Eindruck hat es bei mir nicht hinterlassen.
Durch die Gegend spritzende Hirnmasse und heraushängende Eingeweide in der Story, im Detail ausgeschildert, sind noch nie mein Ding gewesen. Weshalb ich mir eine von einem LkW-Doppelreifen zermatschte Leiche im Internet ansehen oder was daran so interessant sein soll, weiß ich nicht.

Aus Neugierde und Sensationslust mag mancher auf solche Seiten gehen, um sie sich mal anzusehen. Ein dauerhaftes Interesse wird das meist nicht begründen. Wenn einer unbedingt will und es ihn glücklich macht, kann er sich auch Magen- und sonstige Operationen als Film anschauen. Ob das einen hohen Unterhaltungswert hat, außer für Medizinstudenten, bezweifele ich. Bei rotten.com usw., sehe ich auch keinen. Außer für Pervertierte, die es nun auch einmal gibt.



Welches Buch und welcher Film haben Dich persönlich bis heute am meisten gegruselt?

   Bei "Dracula" von Bram Stoker war ich mal entsetzt und konnte nachts nicht schlafen. Da war ich allerdings auch erst 15 oder 16. Als Kind habe ich mal eine Werwolfgeschichte gelesen, mit sieben oder acht, ich habe früh Lesen gelernt. Das war schlimm. Irgendein altes Buch hatte ich da erwischt, woher, weiß ich nicht mehr. Jedenfalls hatte ich da nachts Angstzustände und dachte dauernd: Der Werwolf kommt.
Im Flur vor meinem Zimmer hing eine Topfpflanze von der Decke, wenn es dunkel war und die Tür offen und der Mond schien durchs Fenster, hat das so ähnlich ausgesehen wie ein bärtiger Männerkopf. Da habe ich vor Angst fast ins Bett gemacht. Meine Mutter hat mir dann gezeigt, dass das nur die Topfpflanze ist. Aber ich gab wohl erst Ruhe, als sie sie weggestellt hat. Einen bleibenden Schaden habe ich davon nicht erlitten.

Film - "Hostel", würde ich sagen, neulich habe ich den gesehen, mit den Sadisten, die Menschen grausam töten in einem Ostblockland. Da habe ich mich jedoch mehr geekelt als gegruselt. Ich bin übrigens schon der Meinung, die größte und schlimmste Bestie ist der Mensch. Oder sind Menschen. Vampire und Werwölfe sind romantische Spiegelungen aus den Abgründen der menschlichen Seele.
Als ich neulich ein Cotton-TB über Serienmörder geschrieben habe - das erscheint noch - habe ich wie üblich im Rahmen meiner Möglichkeiten exakt recherchiert. Also von einem Profiler verfasste Tatsachenberichte gelesen - "Die Seele des Mörders" z. B. - den Autorennamen müsste ich jetzt nachschlagen. Das Vorbild für Hannibal Lecter gewissermaßen.
Es ist grauenvoll, was Menschen anderen antun und wozu sie imstande sind. Es gibt durchaus pervertierte Monstren in Menschengestalt. Und Dinge, die man sich normal überhaupt nicht vorstellen kann.
Die Norm ist dies zum Glück nicht. Auf der anderen Seite, was eine Binsenweisheit ist, gibt es genauso gut sehr gute und altruistische Menschen. Wahre Heilige oder fast Heilige. Vielleicht steht für jeden Heiligen eine menschliche Bestie als Gegengewicht auf der anderen Seite, überspitzt gesagt.



Woher bekommst Du jedes Mal die Disziplin beim Schreiben, einen angefangenen Roman auch zu beenden?

   Wenn man erst mal damit angefangen hat. Das ist so ähnlich wie beim Sex mit einer Frau. Grins. Oder auch mit anderen Handlungen - halbe Sachen lohnen sich nicht.


Als Schriftsteller bist Du im Grunde ein Gott, Du kannst Leben erschaffen aber auch vernichten, Welten nach Deinen Ideen formen. Ist Deine Psyche dadurch entspannter, musst Du seltener zum Arzt?

   Das siehst du sehr idealistisch, Rolf. Ich muss als Autor mein Geld verdienen. So wie der Briefträger Briefe austrägt. Dass ich mir etwas ausdenken und es niederschreiben kann, bringt mir von der Psyche her im Prinzip wenig. Meine Psyche ist nicht entspannter, jedoch habe ich im Lauf der Zeit gelernt - 33 Berufsjahre und ein paar Monate und über 830 Romane - mich nicht mehr so verrückt zu machen.
Wegen meiner Romane sah ich's schon immer so wie mit der Suppe: Brodelts und dampfts, so kocht es, und wenn es gar ist, kommt es auf den Tisch. Roman raus und fertig, ab.
Ich bin auch der Meinung, wenn jemand ein besonderes Talent hat, bezahlt er auf irgend eine Weise mit einem Manko den Preis dafür. Es gibt nichts umsonst auf der Welt.



Deine Mitarbeit bei der Kult-Serie Dämonenkiller war für viele Fans dieser Serie ein Glücksgriff. Was hat Dir an diesem epischen Projekt am besten gefallen?

   Das mit dem DÄMONENKILLER ist lange her. Das Produkt war eine sehr tiefschürfende, umfassende Serie - äußerst innovativ. Von Ernst Vlcek habe ich viel gelernt - er hat die Autoren, mich jedenfalls, zum gründlichen Recherchieren von historischen und örtlichen Fakten getriezt. Einmal hatte ich einen "DK" geschrieben, der in Amsterdam spielte, und bin kaum auf die Grachten eingegangen. Das hat er moniert.
Was heute mit dem "DK" ist, verfolge ich allerdings nicht mehr oder kaum. Also beim Zaubermond-Verlag: Nach meiner Ansicht ist die Zeit für dieses Projekt und die Serie abgelaufen. Alles andere ist Nostalgie.



Gibt es bei Dir neben dem Schreiben noch andere ausgeprägte kreative Fähigkeiten?

   Nö, absolut nicht.


Wie könnte man das Politiker-Problem (Machtgeil, Korrupt, Verlogen, etc.) Deiner Meinung nach in den Griff bekommen?

   Ich maße mir nicht an, nur weil ich ein kreatives Talent habe, die Weltprobleme allesamt beurteilen und richtig einordnen zu können. Die Welt ist so, wie sie ist - die menschliche Natur war noch niemals nur gut.
Daran wird sich nichts ändern, das wäre Utopie. Die Politik ist nicht mein Fach. Was die Korruptheit betrifft, diese ist nicht nur bei Politikern zu finden. Macht oder das Sagen hat jeder gern - dass es nach seinem Kopf geht, in der Familie fängt's an. Die Wahrheitsliebe ist auch nicht der ausgeprägteste Artikel beim Normalbürger, schätze ich mal.
Ich möchte jedoch kein zu düsteres Weltbild entwerfen...



Vielen Dank für das Interview.

Vielen Dank für das Interview und das Interesse an mir und meiner Arbeit. Ich bin weiter am Ball, als Schriftsteller setzt man sich nicht zur Ruhe. Außerdem habe ich jetzt durch meine lange Arbeit einen Bekanntheitsgrad.
Selbst wenn einer sagt "Das ist der miserabelste Autor, von dem ich je gehört habe!" - kennen tut er mich!
Ich bin an ein paar Projekten dran, auch Neuem, die Branche hat sich sehr gewandelt, seit ich 1973 angefangen habe. Also muss ich mir was einfallen lassen.
Und, ehrlich gesagt, außer Können, das ich mir auf die Fahne schreibe, in dem Bereich hatte ich irgendwie immer Glück. Wenn eine Tür zugegangen ist, ging eine andere auf. Die Katze fällt immer auf die Füße...




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