Creative VIP: Peter Waldbauer
- Artikel (20.10.2007)
- Artikel 2 (03.11.2007)
- Interview
V O R S T E L L U N G :
Der staatlich geprüfte Betriebswirt (Jahrgang 1966), einst persönlicher
Schüler des verstorbenen Börsen-Gurus André Kostolany, veröffentlichte
bisher Essays über Judentum, Literatur und Gastronomie in diversen
Zeitschriften.
Sein wohl außergewöhnlichster Job war in der Bestatterbranche - dort blickte
er hinter die Kulissen eines geldgierigen und wenig pietätvollen Gewerbes.
INTERVIEW (Fragen von R.M.):
Wie kamen Sie auf die Idee als Sargträger anzufangen?
Ich entdeckte zufällig ein Zeitungsinserat, in dem Sargträger gesucht wurden. Mir waren beim Lesen des Inserats sofort zwei Dinge klar: 1. dies kann kein Job sein, der normal bezahlt wird (wie Kellner oder Aushilfe in einer Videothek), sondern muss, aufgrund der Tatsache, dass bestimmt nicht jeder bereit ist, ihn zu machen, besser bezahlt sein (und so war es dann auch)
2. Särge "tragen" dürfte wohl die absolute Ausnahme sein, sondern man fährt sie auf einem Wagen (Katafalk) über den Friedhof; der Job ist also bei weitem nicht so körperlich anstrengend, wie er sich anhört. Auch das traf haargenau zu.
Wie gehen Sie persönlich mit dem Thema "Tod" um - was sind Ihre Konsequenzen
im Hinblick auf gängige Bestatter-Methoden?
Soviel wie möglich selbst machen bei einem Todesfall, Kosten reduzieren wo es nur geht, einfachen Sarg auswählen oder gleich eine Feuerbestattung, auf die meisten Dinge verzichten, gnadenlos abspecken; genauen Kostenvoranschlag machen lassen, knallhart im Vorfeld verhandeln, im Nachhinein bei plötzlich auftretenden Kostenpunkten nicht nachgeben.
Mir dürfte dies relativ leicht fallen, da ich dem Bestatter sofort mit Fachwissen begegnen kann und er keine Chance hat, mir ein X für ein O vorzumachen.
Wie stehen Sie zu den ungewöhnlichen Alternativen, wenn Angehörige
Verstorbener sich die Asche z.B. über die Schweiz oder den Niederlanden
zurückschicken lassen, um sie dann im eigenen Garten zu begraben oder gar in
einem Zimmer aufzubewahren?
Habe ich prinzipiell nichts dagegen, wenn jemand das will. Mir persönlich wäre es jedoch zuviel, dauernd mit dem Tod eines Angehörigen konfrontiert zu sein. Ich finde es jedoch gut, dass man damit das Monopol der Friedhofsbetreiber und deren Gebürenschinderei aushebeln kann.
Meine Mutter hatte damals beim Tod meines Vaters auf einen Bestatter
verzichtet - alles selbst erledigt. Würden Sie im Falle eines Todes in der
Familie einen Bestatter in Anspruch nehmen?
Ja, müsste ich wohl. Man darf die Leiche ja nur im Leichenwagen transportieren und ob bzw. wo man ein Überführungsfahrzeug leihen könnte, weiß ich nicht. Ich müsste also zumindest, was die Grundversorgung des Verstorbenen betrifft, einen Bestatter in Anspruch nehmen.
Ahnlich wie jemand, der von der Schulmedizin nichts hält, aber bei akuter Lebensgefahr trotzdem den Notarzt rufen muss.
Wie kann ein Kunde eines Bestattungsinstituts alle Dienstleistungen auf
Einhaltung kontrollieren?
Hundertprozentig wird er dies nie können. Aber er kann möglichen Gefahren begegnen, in dem er als kritischer Kunde auftritt (noch besser in Begleitung von jemandem, der rational - nüchtern denkt); Außerdem sollte er (oder sein Begleiter) bei vielen Tätigkeiten anwesend sein (im Krankenhaus / Altenheim/ bei der Versorgung in der Leichenhalle).
Bei einer offenen Aufbahrung kann er vor dem Verschließen des Sargs ein Foto machen lassen oder er kann kurz vor der Beerdigung noch einmal einen Blick in den Sarg werfen.
Was läuft denn bei Behörden falsch, bzw. könnte man dort als "skandalös"
bezeichnen?
Die amtlichen Friedhofsarbeiter/ Leichenhallenwarte werden kaum kontrolliert, weil sie "draußen" arbeiten, fern ihrer Dienststelle. Sie genießen nahezu unbegrenzte Freiheit, besonders, was ihre Zeiteinteilung betrifft. Schwarzarbeit während der Dienstzeit ist zwar verboten, aber oft wird ein Auge zugedrückt.
Man müsste also viel härter bestrafen,
z.B. Friedhofswarte, die während ihrer Arbeitszeit für einen Bestatter privatwirtschaftlich tätig sind oder Totengräber, die auf Nachbarfriedhöfe (sogar außerhalb ihrer Gemeinde) fahren, um dort als Sargträger zu fungieren.
Wenn der Bestatter seriös ist und "nur" 100% Gewinn machen würde, was könnte
dann eine durchschnittliche Erdbestattung kosten?
Das käme immer noch auf den Sarg an, den der Angehörige aussucht, aber schätzungsweise zwischen 1.500 und 3.000 Euro (alles inklusive außer den Steinmetzarbeiten.)
Was glauben Sie, wie in naher Zukunft sich eine Beerdigung abspielen wird -
zumal der Platz auf Friedhöfen begrenzt ist?
Immer mehr Feuerbestattungen, die sind stark im Kommen. Deshalb ist die Zahl der Krematorien so stark gewachsen. Der Platz auf dem Friedhof ist übrigens nicht das Problem.
Viele Gemeinden haben viel zu große Flächen als Friedhof ausgewiesen. Viele kleine Friedhöfe sind stark erweiterungsfähig. Man muss nur die Mauer an einer Seite öffnen und kann den Friedhof in dieser Richtung problemlos um 50% oder sogar 100% erweitern.
Außerdem werden Gräber nach Ablauf der Grabnutzungszeit ja auch eingeebnet, so dass nach einigen Jahrzehnten alles von vorne beginnt (Nur bei den Soldatengräbern nicht).
Auch der sogenannte "Friedwald" (die Beisetzung an einer Baumwurzel), ist ein neuer Trend.
Börsenspekulant waren Sie - gehen diese Zeitgenossen manchmal nicht auch
über Leichen?
Nein, das ist ein Klischee. Der Börsianer gewinnt nicht dann, wenn alle anderen verlieren, sondern verdient mit den anderen. Es gibt an der Börse ja bekanntlich zwei Richtungen, Hausse und Baisse. Der Haussier ist immer ein optimisischer Zeitgenosse, gesellig, glaubt an steigende Kurse, verdient mit (und ist deshalb interessiert) am allgemeinen Aufschwung, betrachtet die Welt eher rosarot.
Nur der Baissespekulant ist das Gegenteil: pessimistisch, eigenbrötlerisch, eventuell sogar gehässig und verdient am Zusammensturz. Aber echte Baissiers sind unter den Börsianern sehr selten. Erstens widerspricht es der menschlichen Natur, zweitens ist es technisch viel schwieriger und drittens sind die Kurse langfristig noch immer mehr getiegen, als gefallen, weshalb es sich nicht lohnt, Baissier zu sein. Ich selbst war auch Dauer-Haussier, d.h. mein Denken war auf das allgemeine Wohlergehen der Welt/ der Wirtschaft/ der Finanzen ausgerichtet und dadurch natürlich auch auf meine Brieftasche.
Wie möchten Sie eines Tages beerdigt werden?
Weiß ich nicht genau, ich habe mir noch keine abschließenden Gedanken gemacht. Erstens bin ich noch relativ jung, zweitens auch ein Verdränger und drittens betrifft das Thema Beerdigung mehr die Angehörigen, als die (zukünftigen) Verstorbenen. Aber ich tendiere eher zur Feuerbestattung.
Vielen Dank für das Interview.
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Ideen Diebstahl siegt über Anstand - Copyright am Ende?
Sie können jetzt zwei Sätze lesen und danach überlegen Sie bitte, wo der Unterschied ist:
"Wem gehört die Leiche" und "Wem gehört die Leiche"?
Es gibt keinen? Doch, der erste Satz (S. 143) stammt aus dem Buch "Todsichere Geschäfte" von Michael Schomers aus dem Econ Verlag, und der zweite Satz (S. 93) stammt aus dem Buch "Die Bestattungsmafia" von Peter Waldbauer aus dem Herbig Verlag.
Es gibt noch weit mehr fast identische Übereinstimmungen in den beiden Büchern. Resümee, der interessierte Leser kann zwei Bücher erwerben, dessen Inhalte kaum Unterschiede aufweisen! Wie konnte das passieren?
Im Folgenden ein paar Fakten: Herr Waldbauer bot dem Econ Verlag aus Berlin am 05.09.2005 sein Manuskript "Die Bestattungsmafia" an. Zunächst war der Verlag davon sehr begeistert und wollte es veröffentlichen. Nach einer langen Prüfung kam im Mai 2006 Econ zu dem Ergebnis, wegen "inhaltlicher Mängel" das Buch abzulehnen. Am 06.06.2006 nimmt glücklicherweise der Herbig Verlag das Buch an.
Am 28.09.2006 meldet der Econ Verlag den Titel "Die Bestattungsmafia" im Börsenblatt an.
Was für ein Zufall?
Durch die Intervention von Herrn Waldbauer und dem Herbig Verlag, änderte Econ am 10.05.2007 den geplanten Buchtitel in "Todsichere Geschäfte" um.
Im Juli 2007 erscheint endlich Waldbauers Buch "Die Bestattungsmaffia" und der Econ Verlag verschickt an Journalisten Einladungen zur Pressekonferenz von "Tödliche Geschäfte" für den 09.10.2007 ins Haus der Bundespressekonferenz in Berlin.
Mittlerweile erfolgten Strafanzeigen gegen den Autor Michael Schomers von "Tödliche Geschäfte" und einigen Mitarbeiters des Econ Verlages. Es geht nicht um das Aufwiegen jedes Wortes aus den beiden ähnlichen Büchern, sondern um den Diebstahl einer Idee.
Wenn ein Autor sein Manuskript einem Verlag anbietet, sollte der schlimmste Fall die Absage sein, aber nicht den Autoren zu täuschen und am Ende sogar dessen Idee zu klauen!
Das ist unseriös und für deutsche Verhältnisse nicht tragbar. Jetzt wird der Rechtsweg entscheiden, ob die Gerechtigkeit siegt? Sicherlich ist das nicht der erste Fall in der Geschichte, aber jeder kreative Mensch sollte sich auf das Copyright verlassen können, auf den Schutz seiner Werke.
Nachtrag vom 20.10.07
Quelle: Peter Waldbauer / Herbig Verlag
Börsenblatt Kopie
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Urheberrecht
Autor gegen Econ Verlag
Autor Peter Waldbauer hat bei der Staatsanwaltschaft Berlin Strafanzeige gegen Mitarbeiter des Econ Verlags gestellt. Sie sollen Teile seines Manuskripts "Die Bestattungsmafia", im Juli als Buch bei Herbig erschienen, unrechtmäßig als Vorlage für Michael Schomers Titel "Todsichere Geschäfte" verwendet haben, im September bei Econ herausgekommen.
Waldbauer gibt an, er habe Econ im Herbst 2005 sein Manuskript angeboten, das dort auf sehr großes Interesse gestoßen sei. Umso mehr habe ihn die Absage wegen "inhaltlicher Mängel" im Frühjahr 2006 gewundert, so der Autor auf Anfrage. Anhand von 65 Übereinstimmungen in Aufbau und Text will er nun nachweisen, warum er Schomers Buch für ein Plagiat hält. Econ-Sprecherin Juliane Brümmer wies die Vorwürfe als "ärgerlich und haltlos" zurück.
© Cordula Giese
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Buch:

Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
Verlag: Herbig, F A
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3776625309 · ISBN-13: 978-3776625301·
ca. 17,90 EUR D / 18,40 EUR A / 31,70 CHF
© COPYRIGHT Oktober 2007 by kreativwunder
& Peter Waldbauer